Ein ungeschliffener Diamant

Sie funkelt nicht. Sie ist trüb, trüb wie ein warmer See im Sommer. Undurchsichtig und alles andere als transparent, transparent wie ein Laken. Ein Laken wehend im Wind, im Wind, der Sie davon weht. Sie, das Laken. Davon weht und antreibt. Von der Allgemeinheit getragen. Dem Strom der Menschen, dieser Menschen, die als allgemein gelten. Jedoch wendet Sie sich, dreht das Laken senkrecht zum Wind, dass Sie nicht mehr getrieben wird, wie alle anderen. Schottet sich ab vom Wahnsinn der Gesellschaft. In einem Labyrinth aus Büchern, das sich nennt Bibliothek. Einem Ort der Ruhe und Entspannung. Entspannung von dem Wahnsinn, der einem tagtäglich unterkommt.

Jedoch verbirgt sich im Inneren etwas Geheimnissvolles. Im Inneren des Lakens, das sich senkrecht zu dem Wind stellt. Etwas, das man nicht sofort sieht, denn es ist verborgen. Etwas, das man suchen muss, denn es ist versteckt. Es ist ein Gefühl, das sich mit nichts vergleichen lässt. Der Versuch, es zu beschreiben, endet in Kopfschütteln und Verzweiflung. Denn eigentlich wollte es nie gefunden werden, dieses Gefühl. Es versteckt sich weiter im Inneren des Lakens. Wie der Duft von frischer Wäsche, den man aus den Kleidern schütteln muss, so muss man dieses Gefühl aus Ihr heraus schütteln. Denn für Sie selbst ist es zu schwer. Sie lernte es nie, damit umzugehen. Wie ein ungeschliffener Diamant, der nie lernte zu funkeln. Das ist dieses Mädchen.

Lucius Terembis am 12.07.2018 irgendwann in der Nacht