Warum ich mein Handy nicht mehr mag.

Mein Handy, das absolut nutzloseste und unproduktivste Gerät, das ich besitze. – Das hätte mich niemand vor circa einem Jahr sagen hören.
Aber ja, ich fühl mich jetzt, als könnte ich das behaupten. Ich hatte schon mal so eine Phase, da hab ich den Grund, von einer gewissen Person loszukommen, benutzt, mein WhatsApp vollständig von meinem Handy zu entfernen. Und so ist es auc für die nächsten eineinhalb Jahre geblieben. Ohne WhatsApp kann man wirklich leben, ja. Obwohl zugegebener maßen, ich hatte einen iPod, auf den ich WhatsApp gehackt habe, dafür benutzt, zumindest von der Klassengruppe was mitzubekommen.

Nun mal kurz nachgedacht, wofür benutzen denn die meisten Leute ihr Handy? Eigentlich nicht unbedingt viel: E-Mails checken, was im Internet suchen, nachschauen, wann der Bus kommt, Musik hören, etc. Und natürlich Messaging und soziale Medien. Und da wären wir genau beim Problem. Abgesehen von der YouTube-App, in der wahrscheinlich auch viele schon einen großen Teil ihres Lebens verschwendet haben, gibt es da noch ganz viele andere soziale Apps, denn jedes soziales Netzwerk, das etwas von sich hält, hat eine Android und/oder iOS App. Zum Beispiel Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr, die üblichen Vertreter eben und dann gibt es noch haufenweise messaging-Apps, wie WhatsApp, Snapchat, Facebook Messenger, Telegram, LINE, Hangouts, etc.

All das, all diese Apps, sie sind jeder Zeit aufrufbar mit nur wenigen Fingerbewegungen. Ist doch eigentlich phantastisch! Oder? Nun, es kommt wohl zu einem großen Teil darauf an, aus welchem Blickwinkel man das sieht. Sieht man es aus der Perspektive eines armen Kindes, das sich kaum etwas leisten kann und von seinem Taschengeld ein Smartphone kauft, in der Hoffnung, auf diese gewaltige digitale Welt zugriff zu bekommen, so ist es positiv zu bewerten. Denn einen Computer kann sich nicht jeder leisten, außer man weiß, wo man suchen muss bzw. an wen man sich wenden muss. Aber das ist weder etwas, das jeder weiß, noch hat jeder Lust darauf, sich dementsprechend mit der Materie auseinander zu setzen. Mit einem Smartphone kann man also mit wenig Geld Zugriff auf sehr viel bekommen, das ein Computer leisten kann. Vorausgesetzt, man hat genug Speicherplatz neben dem ganzen Bloat.

Sollte man allerding den Luxus aufweisen, einen Computer zu benutzen, sieht die Geschichte ganz anders aus. Ich persönlich habe mir mitte letzten Jahres einen Laptop gekauft, den Beitrag dazu findet ihr hier. Und mit diesem Laptop hat mein Leben in einer anderen, offenen Welt angefangen. Aber die Linux-Geschichte ist Stoff für einen anderen Beitrag irgendwann später. Wie auch immer, mit dem Besitzt eines richtigen Computers stellt sich mir die Frage: Ist das denn überhaupt profitabel, wenn man all diese Services jederzeit in seiner Hosentasche mit sich herumträgt? Meine Antwort darauf laute ganz klar: „Nein!“

Aber warum? Nun, ich zählte vor kurzer Zeit noch zu der Art an Menschen, die wirklich jede freie Minute an ihrem Smartphone verbringen. Selbst am Esstisch mit Freunden, wenn ich mich gelangweilt hab, waren meine Griffeln sofort wieder am Handy. Und was hab ich dann gemacht? Naja ganz einfach, auf Instagram rumgescrollt, Menschen geantwortet, Twitter erkundet. Bist zu einem Grad, wo ich den Leuten wirklich extrem auf den Keks gegangen bin und mich unbeliebt gemacht hab. Ist zwar schon etwas länger her, aber mich haben Freunde mal über einen kompletten Fußballplatz gejagt, um mir mein Handy abzunehmen, dass ich endlich meine Finger davon lasse, hihi. Ein anderer negativer Nebeneffekt von dieser dauerhaften Beschäftigung ist, dass man sich keine Zeit mehr zu langweilen nimmt, denn man hat ja sein Handy. Zeit zu Langweilen und Nachdenken ist die allerwichtigste, denn das braucht man zur Selbstentwicklung. In dieser Zeit denkt man über seine Aktionen nach, ein ganz wichtiger Teil, wenn man kein komplett Gedankenverlorenes Konsum-Schwein sein möchte.

Leider nehmen sich diese Zeit eben nur noch ganz wenige, weil sie gar nicht kapieren, dass sie sich diese durch soziale Medien und die Verfügbarkeit dieser an jedem Winkel der Stadt oder Wohnung einfach selbst wegnehmen. Es ist also nicht als positv anzusehen, wenn man immer sofortigen Zugriff auf diese Medien hat. Deshalb find ich Zugfahren auch so entspannend, in Deutschland hat man sowieso in den wenigsten Fällen überhaupt auf der Schiene Empfang, man ist also dazu gezwungen, sich mit Musikhören oder anderen offline-Dinge zu beschäftigen. Ob das als positiv für unsere Zeit anzusehen ist, ist wieder eine andere Geschichte, andere Länder haben das übrigens auch auf den Autobahnen weitaus besser im Griff. Aber zurück zum Thema: Ich bin kein Psychologe, darum kann ich keine richtigen Beispielen anbringen, aber an mir selbst ist mir aufgefallen, dass es mir unendlich gut tut, einfach etwas Zeit für mich zu haben. Denn ich hab, ja ihr werdet es nicht glauben, so ziemlich alles von meinem Handy entfernt, was mir ständig die Zeit raubt. Ja, selbst die YouTube App. Warum auf dem kleinen Handy schauen, wenn ich nen Fernseher und nen Laptop hab? Und da wären wir beim nächsten Punkt.

Mehr Produktivität. Darum ging es mir eigentlich grundsätzlich. Seit ich das 10 Finger System beherrsche, hat mich das Tippen am Handy schon immer angestrengt und unheimlich genervt. Ich bin einigermaßen schnell, aber am Computer mindestens 5 mal so schnell. Ist ja auch vollkommen logisch: Zwei Daumen vs. 8 Finger auf der Home-Row und die Beiden Daumen als Leertasten-Betätiger, das ist einfach schneller. Oh und was mich richtig abnervt, das ist mit einer Hand am Handy tippen. Meine Freundin macht das, ich würde mir so deprimiert nach einer Weile vorkommen, weil ich einfach keinen Text zusammenbekomme. Aber hängt wohl auch damit zusammen, mit was man sich abgefunden hat. Wenn man es gewohnt ist, auf dem Handy zu tippen, mag es wohl eine attraktive Möglichkeit sein. Aber nicht für mich.

Dann kommt noch dazu, wie sich ein Android Smartphone bedient. Ich persönlich bin immer hinter der produktivsten Arbeitsweise für mich persönlich hinterher. Und das kann ich am Smartphone definitiv nicht umsetzen. Multitasking kann man das wohl nur begrenzt nennen, das zwischen zwei Apps hin und her wechseln. Okay, ich kann dank meinem Note 3 schon seit einer geraumen Zeit zwei Programme nebeneinander aufmachen, aber auf dem kleinen Bildschirm hat man auch nichts davon, weil es wirklich eine Fummelei ist. Touch-Interfaces sind die Bedienung der Zukunft, das ist auch meine Meinung, aber bitte nicht, solange eine Tastatur und Maus besser darin sind. Also da mich mein Handy für produktive Dinge nervt, was hab ich gemacht? Naja, alles, was ich am Laptop machen kann, mach ich ganz einfach am Laptop. Ich Surfe im Internet auf einem großen Bildschirm und antworte meinen Freunden mit einer richtigen Tastatur. Außerdem kann mein Laptop noch einige Sachen mehr, die mein Handy niemals können wird. Zum Beispiel 10 Bit Video abspielen oder ein vollwertiges Desktop-Linux mit allem Drum und Dran ausführen.

Wie mir meine Smartwatch geholfen hat, von meinem Handy loszukommen

Vor geraumer Zeit hatte ich mein Handy immer angeschalten in meiner Hosentasche. Ich hatte es auf Vibration, sodass ich immer mitbekam, wenn irgendetwas war. Irgendwann ist es mir auf den Geist gegangen, jedes mal mein nicht zu kleines Handy aus der Hosentasche zu kramen und auf das Display zu schauen, ob da irgendwas ist, das wichtig sein könnte, darum hab ich mir eine Peble Smartwatch zugelegt. Einzige Anforderungen: Zeig mir meine Benachrichtigungen und lass mich die Musik am Handy steuern. Und das hat sie super gemacht. So hatte ich nicht mehr das Problem, mein Handy immer herausnehmen zu müssen, sondern nur, wenn ich wirklich jemand antworten musste. Und außerdem kann ich mit der Uhr nur sehr sehr begrenzt antworten, darum bin ich auch nicht in Versuchung, gleich sofort auch noch zu antworten. Im Gegenteil, ich hab mir sogar mehr Zeit gelassen und mit eine Antwort überlegt, bis ich mal länger Zeit hatte, um wirklich mein Handy rauszuholen. Das hat mein „Im Unterricht auf’s Handy schauen“ auf quasi null reduziert.

Tja und so war ich eben dank dieser Smartwatch weniger an meinem Handy, das ist auch anderen positiv aufgefallen. Dann irgendwann kam allerdings der Punkt, an dem ich auch meine Smartwatch auf nicht-vibrieren gestellt hab und somit nur noch informiert werde, was neu ist, wenn ich auf die Uhr schaue. Das hat auch dazu gefühlt, dass ich die Benachrichtigungen von allen Apps, von denen nichts wichtiges kommt, also alles bis auf Telegram, LINE und WhatsApp und natürlich Anrufe und Messaging, komplatt gesperrt hab, oder die App stillgelegt hab. So bekomme ich keine Benachrichtigungen, außer ich öffne die App und von den anderen erst, wenn ich dann mal auf mein Handy schaue.

Mein Laptop kann das besser!

Egal was es ist, ist benutze viel lieber diesen Laptop hier dafür, anstatt mich mit meinem Handy rumzuschlagen. Da hab ich alles drauf, damit kann ich alles machen, damit bin ich viel Produktiver, als mit meinem Smartphone. Zudem hab ich jetzt nicht mehr den Drang, ständig auf mein Handy zu schauen und hab es geschafft, mich selbst von den sozialen Medien auf meinem Handy zu entfernen. Denn was ich am Handy machen kann, kann ich am Computer ein vielfaches besser. Twitter, Instagram, WhatsApp, LINE, alles macht mehr Spaß mit einem großen Bildschirm und ’ner richtigen Tastatur. Und darum bin ich dabei geblieben. Mit ist mein Verhalten einfach negativ aufgefallen, und ich wollte etwas daran ändern, darum hab ich diese Schritte bewusst und unterbewusst gemacht.

Was ist mein Handy jetzt noch?

Nicht mehr viel. Ich werde gelegentlich über wichtige E-Mails informiert, höre Musik damit, schaue, wann mein Bus kommt, machte Fotos damit. Gucke meine Hausaufgabenliste an (manchmal, hehe) und wenn es gar nicht anders geht, dann antworte ich auch damit mal auf Nachrichten. Aber ich nutze nur noch ganz ganz selten Twitter darauf, noch seltener Instragram und etwas öfter Snapchat. Aber meistens ist es nur ein WhatsApp Web Server für alle Fälle. Ich werde Twitter und auch Instagram von meinem Handy entfernen und auf meinem iPod installieren. Den hab ich meinstens eh rumliegen. Das bedeutet, dass ich nicht mehr auf Direktnachrichten in Instagram antworten kann und auch nicht mehr zugeschickte Posts empfangen kann, weder kann ich dann was posten. Aber das ist mir recht, ich hab das letzte halbe Jahr auch so gut wie ohne gelebt, das war nämlich der Test, wie weit ich davon weg kann. Fazit: Weit genug, um es zu deinstallieren. Und Twitter kann ich notfalls immer noch im Browser nutzen, aber das setzt die Hürde, drauf zuzugreifen höher, als die App am Startbildschirm zu haben.

Fazit und Ausblick auf weitere verwendte Themen

Im Großen und Ganzen hat mit mein Laptop dabei geholfen, zu erkennen, was produktives Arbeiten ist und was reine Zeitverschwendung ist. Versteht mich nicht falsch. Ich mag es immer noch, soziale Netzte zu benutzen. Aber ich benutzte sie jetzt bewusster. Nicht mehr, wenn ich gerade lange Weile hab, sondern wenn ich explizit ein soziales Netzwerk nutzen will. Das hat mir dabei geholfen, von meinem Handy loszukommen und mehr zu mir selbst und dem, was ich eigentlich machen will, zu finden. Zum Beispiel hätte ich mich niemals in dieser doppelten Freistunde hingesetzt und einen Blogpost geschrieben, sondern hätte die Zeit am Handy vertrödelt.

Allerdings sind die oben genannten Gründe nicht die einzigen Gründe, aus denen ich mich von meinem Smartphone und sozialen Medien entfernen will. Aber das hatte in diesen eineinhalb Stunden keine Zeit, vielleicht in der nächsten doppelten Freistunde, in der mein Spanisch in der Früh ausfällt, werde ich diese Gesichtspunkte ausschreiben. Luke Smith hat mich mit seiner Philosophie dazu angeregt, mir Gedanken über meine Zeit und mein Nutzung von sozialen Medien zu machen. Weitere Themen werden Privatsphäre und Tracking, Warum ich denke, dass soziale Medien unsere Meinungen radikalisieren und wie ich mein Leben in Zukunft in Anspruch nehmen will, sein. Ich hoffe dieser Post war halbwegs Ansprechend und nicht einfach nur ewiges gehate auf mein (blödes) Smartphone und deswegen unattraktiv zu lesen. Nun denn, bis zum nächsten Post, der hoffentlich bald kommt, Lucy.

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