Das Internet wird sich verändern

In meinem letzten Post habe ich die gestern verabschiedete Urheberrechtsreform kommentiert. Das Übertragen der Haftung für illegalen Kontent an die Platformen selbst, wird unweigerlich zu einem Schwinden der individuellen Inhalte führen. Legal sind dann die meisten Sachen nicht mehr. Platformen werden schon in ihrer Grundfunktion als Inhaltsverteilungssystem ausgemerzt, denn die Hürde für Inhaltsersteller wird so hoch gesetzt, dass es für die meisten unattraktiv sein wird, sich dort eine Community zu bilden. Wenn also Inhalte, die Inhalte von Anderen zitierten oder kommentieren, von vornherein blockiert wirden, was gibt es denn für Auswege?

Eigene Website

Diese Urheberrechtsreform betrifft die Platformen an sich. Wenn man allerdings seine eigene „Plattform“ betreibt, zum Beispiel einen eigenen Blog oder eine eigene Internet-Seite, so ist man nun selbst dafür verantwortlich, dass auf seinem Blog keine urheberrechtlich geschützten Inhalte erscheinen. Sehr simpel eigentlich, sich an solche Regeln zu halten.

Allerdings ist dies nur möglich für Leute, die auch das Wissen haben, sich selbst einen Blog aufzusetzen. Und das werden wohl die Wenigsten sein, die im Internet unterwegs sind. Außerdem kostet es Geld, denn man ist nicht selbst das Produkt, sondern muss seine Website finanzieren. Unter Umständen wird das auch Einige davon abbringen, das überhaupt zu tun.

IPFS – Interplanetary Filesystem

IPFS könnte revolutionieren, was wir unter dem Internet verstehen. Traditionell lädt ein Webbrowser die Website von einem Server, der irgendwo in einem Rechenzentrum sitzt, herunter und zeigt sie ihm an. Zum Ansprechen eines Servers wird die URL (Universal Resource Locator) benutzt, zum Beispiel https://www.example.com. Das https:// steht für das verwendete Protokoll, nämlich das Hyper Text Transport Protocol (Secure). Sollte allerdings eine Website auf diesen Server verweisen und dieser ist gerade ausgeschalten oder hat eine Störung, dann zeigt einem der Browser einfach nur eine Fehlermeldung an. Dies nennt man ein zentralisiertes System und es ist anfällig am zentalen Punkt. Sollte dieser ausfallen, war’s das.

IPFS arbeitet fundamental anders. Dateien werden nicht mehr anhand ihres URLs identifziert, sondern anhand eines Hashwertes. Ein Hashwert macht aus beliebigen Daten eine Zahl, welche eindeutig diese Daten identifiziert. Dabei können keine Rückschlüsse auf die eigentlichen Daten gezogen werden. Ein IPFS Knoten speichert dann Dateien in seinem zugewiesenen Speicherplatz, sobald ihm dies angewiesen wird. Wenn man eine Website über das IPFS Protokoll aufruft, so wird der nächste bekannte IPFS-Knoten gefragt, ob der die Datei mit Hash XYZABC besitzt. Sollte dies der Fall sein, liefert er die Datei ganz gewöhnlich aus. Sollte er die Datei nicht besitzen, so fragt er alle ihm bekannten Knoten, ob diese die Datei haben. Und so weiter, bis die Anfrage irgendwann einen Knoten erreicht, der die Datei hat, der diese dann dem Anfrage-Steller sendet.

Dieses System funktioniert weitestgehend vollautomatisch, denn man kann seinem IPFS-Knoten mitteilen, eine Datei, die so und so oft in dem und dem Zeitraum abgefragt wird, auf seinem Server oder Rechner zu speichern, sodass die Anfrage direkt beantwortet werden kann, ohne sie weiterzuleiten. Wenn eine Datei also sehr begehrt ist, dann wird sie von sehr vielen Knoten gespeichert, was den Weg zwischen Client und Server massiv verkürzen kann und damit gleichzeitig das Netzwerk entlastet. So können mehrere Zehntausend IPFS-Knoten gleichzeitig eine Datei besitzt, vollkommen automatisiert, ohne davon zu wissen. Und da die Haftung erst gilt, wenn man darüber bescheid weiß, dass man gerade eine illegale Datei auf seinem Rechner liegen hat, ist dieses System vom Gesetz auch ganz schwer angreifbar. Das Einzige, was ich mir vorstellen könnte, wäre eine gesetzlich verpflichtende Liste an Hashes, die man automatisch blockieren muss. Allerdings wird jede kleine Änderung in den Metadaten der Datei den Hash völlig verändern und so ist es fast unmöglich, Material zu identifizieren. Und selbst, wenn die Identifizierung möglich ist, so stelle man sich mal eine Kanzlei oder Behörde vor, die 50.000 IPFS-Knoten, die noch gar nichts über ihre Urheberrechtsverletzung wissen, zu informieren und die Löschung zu beantragen. Viel Spaß.

Fazit

Es gibt also doch noch Hoffnung für ein Internet, das von wahnsinnigen Kontrollmaßnahmen befreit bleibt. Eigene Websiten und auch eine Platform, die mit IPFS funktioniert, wären gute Wege, um diesen Blödsinn zu umgehen. Für IPFS gibt es noch keine eindeutige Gesetzeslage und für die Blogger auf ihren eigenen Seiten gibt es keine weiteren Konsequenzen.

Man könnte hier noch das Argument anbringen, dass die Verbreitung von anderen illegalten Inhalten so deutlich vereinfacht wird und das zu mehr Krimimalität führen wird, jedoch gibt es diese Krimimalität ohne hin schon im Darknet und über andere Wege, die genau so schwer zu greifen sind. Und lieber hat man ein völlig unkontrolliertes System, als eine unnütze und kontraproduktive Kontrolle.

Danke für’s Lesen!

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