Eine Nachricht aus der Zukunft

Hallo, ich bin Felíc, 24 Jahre alt, geboren wurde ich hier in Regensburg 2040, das heißt, wir schreiben das Jahr 2064, für alle langsamen. Warum genau schreib ich das nochmal am Anfang von jedem Blogpost, den ich so mache? Ich weiß es nicht, aber ich stell mich gern vor. Irgendwie fasziniert mich die Vergangenheit, die Zukunft, einfach die Zeit. Ich denke oft darüber nach, was in 20 Jahren so alles sein wird.

Jedenfalls, die Menschheit ist am Ende. 2019 sind Schüler dafür auf die Straße gegangen, dass die Klimaschutzziele eingehalten werden. Hätten sie doch länger durchgehalten. Die Politik hat es ignoriert, sie haben weiter nichts getan, obwohl die Technologie schon längt so weit ist. Ich mein wer bezieht schon seinen Strom noch von einem Netzwerk, so einen Blödsinn gab es schon vor meiner Geburt nicht mehr. Solarzellen sind seit jahrzehnten so weit, dass man sie für alles, was man so an Strom braucht, einsetzen kann. Das Problem der Speichermöglichkeiten ist längst gelöst, seit es endlich Solid-State Batterien gibt. Die Dinger speichern dir den Strom für die nächsten Wochen, wenn mal die Sonne gut scheint. Autos fahren schon lange nicht mehr mit Benzin, nur noch wirklich gut restaurierte Oldtimer tun das, die sieht man aber selten. Die anderen Autos laden sich automatisiert hi und da mal auf, aber dank der Solid-State Batterien war ich glaub ich letzte Woche das letzte Mal laden damit? Ich weiß es nicht mehr, eigentlich reicht der Strom von daheim sowieso aus. Aber das Ding benutz ich eh nur zum Einkaufen, wenn ich mal zu viele Einkäufe hab, denn das PTS (People Transport System) ist meistens viel schneller. Bahnen fahren jede halbe Minute und mein kleiner Pod bringt mich viel leichter dahin, als mein Auto und nimmt nicht so viel Platz weg, wenn es wieder heimfährt. Außerdem braucht es keine Straße und ist flinker und schneller auf den Pod-Strecken.

Ach übrigens, Kernfusion ist uns leider immer noch nicht gelungen. Was Mutter Natur da zusammen gezaubert hat, ist quasi unmöglich zu reproduzieren. Aber auf dem Mond gibt es eine richtige Lunar-Basis. Die Marsmission war leider ein totaler misserfolg, nach 5 Jahren laufender Mission haben sie jeglichen Kontakt zu der letzten Person verloren. Eine Erkundungsmission hat dann herausgefunden, dass er wohl Suizid begangen hat, weil er alleine war und und der Rest der Crew unter schweren Depressionen litt, die sie am Ende alle das Leben gekostet hat. Darum dürfen die Astronauten am Mond auch nicht länger als ein Jahr dort bleiben und müssen täglich mit ihren Leuten auf der Erde Kontakt aufnehmen. Internet da oben scheint ganz okay zu sein, nur der Ping ist scheinbar scheiße, also leider keine Online-Spiele.

Und oh man, was soll man sagen, seit ich denken kann, hat jeder so ein komisches Ding in seinem Ohr. Man bekommt darüber alle Informationen, an die man nur denkt und sie können sogar in das Sehzentrum Daten leiten, die dann die Realität augmentisieren oder man kann damit auch komplett abtauchen. Was aber leider an vielen Orten verboten ist, weil man eben keine Kontrolle über seinen Körper mehr hat, man schläft dann sozusagen, alles Muskeln erschlaffen und man kann alles mit einem machen, ohne, dass man was davon mitbekommt, weil dieses Gerät ja auf alle Sinne zugreift. Es gibt aber auch Zwischenmodi, wo nur bestimmte Sinne teilweise oder ganz Weg sind. Eintauchen in fremde Welten ist damit wirklich faszinierend, denn die Grenzen zwischen Realität und Virtuellem werden dadruch verdammt eng. Wäre da nicht dieses Menü von dem Gerät, das man immer in seinem Gesichtsfeld hat, würde man wirklich nicht merken, dass man gerade gar nicht real ist. Außer Gefühle, die kann das kranke Teil immer noch nicht übermitteln. Aber man arbeitet daran, jedoch glaube ich nicht, dass das jemals gelingen wird.

Meine Eltern waren jedenfalls immer sehr kritisch gegenüber diesen Dingern. Und anhand meines Tones kann man bestimmt erkennen, dass ich das auch bin. Habe nämlich sehr schlechte Erfahrungen gemacht damit. Als ich 12 war, brauchte ich so ein Gerät für die Schule, aber kaum hatte ich es, ließ ich mich von meinen Freundinnen immer weiter in surreale Welten ziehen, bis ich schließlich an einem psychischen Zusammenbruch litt und vollkommen die Verbindung zur Realität verloren hatte. Meine Eltern sind damals neben mir am Bett gesessen, als ich im Krankenhaus an der künstlichen Nahrungsversorgung komplett abgemagert und verwirrt aufwachte. Sie haben mich in den Arm genommen und mir gezeigt, was Elternliebe wirklich ist. Leider bin ich kein Einzelfall, der dem ewigen Informationsschwall der Medien und der ständigen Werbung von lokalfremden Informationsquellen nicht standhalten kann. Und außerdem meinen meine Eltern ich wäre einer der wenigen Fälle, die noch Gefühle verspüren und dadruch zwischen Realität und Virtuellem unterscheiden können. Sie haben mir die Wärme und Liebe gezeigt, die mir die zwei Jahre in der virtuellen Realität nicht gegeben haben und haben mich dadurch gerettet. Ich liebe meine Eltern.

Eigentlich ist alles vernetzt. Die Politik hat zwar versagt, diese ganzen Techniken sinnvoll in den Bund zu integrieren, aber die Politik versagt sowieso auf ganzen Strecken. Niemand geht mehr wählen, Gesetzeslücken für unsere heutige Welt werden schamlos mit Ausreden von gestern missbraucht und Schulpflicht wurde irgendwann aufgegeben durchzusetzen, weil die Kinder viel effektiver und realitätsorientierter in der virtuellen Welt lernen können. Es gibt tausende Plattformen, die einem Wissen auf die für einen passenden Methode zur verfügung stellen und werd Zugriff zum Internet hat, der nutzt diese Möglichkeiten auch. Grundsätzlich haben wir also eigentlich nur noch komplett leere Schule. Nur Leute unter dem Mindesteinkommen, sprich Leute, die sich keinen Zugang zum Internet leisten können, gehen dort hin. Und ich, weil meine Eltern mich dazu ermutigten, „sich diesem Blödsinn mal anzuschauen.“ Und ja, es ist Blödsinn, denn die Lehrer geben den Schülern einfach ihre Lernplattform der Wahl auf ausgeliehen Ohrgeräten mit dem passenden Thema vor und versinken dann in ihre eigene Welt. Nur ganz wenige wissen überhaupt, was sie unterrichten und eigentlich baden sie nur den Mist vom Ministerium aus. Und meistens machen die Schüler übrigens dann mit den Dingern einfach nur, was sie wollen, was meistens Spiele sind, weil sie einfach keine Perspektive haben. Ich hatte damals allerdings eine. Mein Papa ist Software Entwickler und schreibt für Informationsunternehmen zusammen mit seinem eigens kreierten KI-Entwickler richtig krasse Programme, die Informationen verarbeiten. Und darum geht’s eigentlich in dem vierten Sektor. Geschichte hat gezeigt, dass die Menschheit immer weiter zu effektiveren Methoden greift, immer mehr mit immer weniger Menschen machen möchte. Und so farmen heute automatische Farmingmaschinen unsere Felder und Häuser werden von künstlicher Intelligenz den Bedürfnissen der Wohnenden angepasst und anschließend von Robotern gebaut, die können das eh präziser wie jeder Mensch, sind schneller und effektiver. Denn die Roboter wurden ja auch von künstlicher Intelligenz geschaffen.

Das ist der vierte Sektor, der eigens damit Geld verdient, Informationen den künstlichen Intelligenzen zuzuführen. Aber auch das kann bald übernommen werden und wird eigentlich schon teilweise von künstlicher Intelligenz übernommen. Die Menschen verbringen ihre Zeit größtenteils mit überwachen der Maschinen und Entwickeln und Forschen von neuen Ideen, zumindest wer einen Arbeitsplatz bekommen hat, weil er intelligent genug ist, oder genug Perspektive hat, sich nicht nur Spielewelten reinzuziehen über den Ohrstöpsel und seinen Abschluss auf einer von diesem vielen Lernplattformen macht.

Leider basiert ein Großteil der Industrie auch darauf, Kindern ihr Taschengeld abzudrücken und sie in virtuellen Welten zu fangen, wo sie möglichst mehr Geld abdrücken und am Ende ihre Eltern um Geld anbetteln. Der Staat unternimmt dagegen nichts. Denn was früher Lobbyisten der Unternehmen waren, das sind heute die Politiker selbst. Und Parteien existieren sowieso nur noch, weil sie von Unternehmen bezahlt werden. Politiker nimmt keiner mehr ernst. Demokratie, so ein guter Witz. Wählen kann man zwar über’s Internet aber genau da liegt der Haken. Meine Mum erarbeitete, in ihrer Freizeit wohl gemerkt, eine genaue Analyse der Wahlwebsite und leider stellte sich dabei heraus, dass dieses System so leicht zu manipulieren sei, wie die „Bürger“ selbst. Wählen kannste zwar, aber wird den meisten Menschen ja sowieso vorher ins Gehirn geblasen, was sie zu denken haben, also wo der Sinn dahinter? Außerdem „wählen“ kann man, ja, aber leider nur zwischen Pest und Kolera. Ich liebe dieses alte Sprichwort von meiner Mutter.

Ich weiß nicht, wie man es schafft, in dieser Welt noch bei Sinnen zu bleiben, aber ich denke, dass alles, was einen Menschen noch besser dastehen lässt, als einen Computer, das sind Gefühle. Gefühle sind das, was uns Menschen zu Menschen macht und keine Maschine kann sie so gut vermitteln, wie Menschen selbst. Wenn ich mir überlege, wie viel wir Menschen schaffen können zusammen mit Maschinen. Die Maschinen sind ohne uns auch nichts wert. Wenn ihnen niemand eine Richtung gibt, tun sie nichts. Sie können nicht mal zählen, wenn man ihnen keine Grundlage gibt, keine Zahlen dafür gibt. Und im Erfinden und Forschen werden sie uns wohl niemals überholen werden. Jedoch liegt es einzig und allein an den Menschen hintern den Maschinen, etwas gutes oder etwas schlechtes zu tun. Gewissen haben Maschinen auch nicht, wobei man sich bei vielen Menschen fragen müsste, ob ihnen das nicht auch fehlt.

Oh, schon so spät! Ich muss morgen früh raus, es geht um die Planung eines neuen Bahnhofes im Stadtinneren. Der muss nach 40 Jahren leider dem massiven Zuwachs an Menschen gerecht gemacht werden, das letzte Mal haben sie den 2024 Umgebaut. Aber das wird eine Leichtigkeit mit meinem Computer und dem Neurolink. Ich weiß, so altmodisch, kein Cloudcomputer, uuuh. Aber hey, das war ein guter Tipp von meinem Dad, so ein altmodisches Teil zu verwenden, denn damit bin ich wirklich nicht mehr angreifbar für irgendwelchen zeitverschwendenden Blödsinn aus den Medienplattformen, der es über die Chatchannels in mein Unterbewusstsein schafft, weil mein Dad mir beigebracht hat, den Informationsfluss selbst zu kontrollieren mit seiner Software. Die Informationen für den Umbau wurden über einen Zeitraum der letzten Jahrzehnte gesammelt. Mit den milliarden Sensoren, die am ganzen Bau angebracht worden sind, konnte man genau Daten sammeln für einen neuen, wunderschönen Bahnhof, ich freu mich auf die Ergebnisse der Berechnungen morgen. Mein Chef hat mir heute bekannt gegeben, dass der Prozess in der Cloud durchgelaufen ist. Braucht länger als andere, aber dafür kann niemand sehen, was ausgeführt wird und diese Daten für seine eigenen zwecke nutzen, darum kostet das nämlich so wenig.

Aber damit jetzt echt gute Nacht. Ich werd nur noch schnell drucken und abheften (Was glaubt ihr, wie scheiße teuer Papiert ist? Unsere Generation weiß wahrscheinlich größtenteils nur noch, dass unsere Eltern das noch regelmäßig in den Händen hatten, als sie noch nicht auf der Welt waren, lol.) in meinem Hefter, der garantiert privater ist, als privat. Felíc out!

Verkehrsplanung im 21. Jhd

Wenn man ein Verkehrssystem plant, was gibt es da zu beachten? Nun, im Grunde eigentlich nur zwei Dinge: Von wo nach wo wollen die Leute und wie viele sind es. Was man auch noch beachten sollte, das wäre, wann diese Leute fahren. Denn es gibt Stoßzeiten, zu denen man in die Arbeit oder zur Schule und wieder zurück möchte. Wäre ja doof, wenn Busse/Züge umsonst fahren oder völlig überfüllt sind.

Wie kommt man denn an diese Daten? Naja, traditionell startet man Umfragen, untersucht bestehende Auslastungen und hört auf Kritik und Lob der Nutzer. Alles so lala. An Umfragen wird nur ein sehr geringer Prozentsatz wirklich teilnehmen, Untersuchungen bestehender Systeme geben nur Auskunft über die Bestandheit des bestehenden Systems und Kritik und Lob der Nutzer werden selten gehört.

Traditionelle Methoden um ein Verkehrssystem zu planen sind also alle nicht ganz komplett. Entweder entgeht ein Großteil der aktuellen und potentiellen Nutzer oder es kann nur Kritik über ein bestehendes System eingeholt werden. Außerdem erfasst keine dieser drei Methoden so wirklich die eigentlich wichtigen Fakten: Wie viele Leute wollen von wo nach wo.

Das 21. Jahrhundert bringt allerdings wesentliche effektivere Methoden zur Erfassung dieser Fakten mit sich.

  1. Google Standortdaten.

Fast jeder besitzt heutzutage ein Smartphone. Jedes moderne Smartphone hat ein GPS Modul eingebaut. Das Smartphone weiß also immer wo es ist, sofern der Nutzer dies zulässt. Und wenn das Smartphone das weiß, dann weiß Google das auch. Man braucht sich nur die „Aktuelle Verkehrslage“-Karte in Google Maps anschauen. Hier wird in quasi live-Daten angezeigt, wie stark befahren eine Straße ist. Ermitteln tut Google diese Daten über Smartphones, die mit deren Betriebssystem laufen, also jedem Android Smartphone. Google Maps gibt auch Einblicke über den durchschnittlichen und aktuellen Zulauf bestimmter Orte. So kann man sich ein gutes Bild machen, wann ein Restaurant am meisten Besucher hat beziehungsweise ob sich der Versuch lohnt, dort ohne Reservierung einen Platz zu bekommen. Google weiß also theoretisch immer, wann wer wo ist. Diese Daten lassen sich beispielsweise von der Polizei anonymisiert abfragen. Bezogen auf ein Verkehrssystem lässt sich hiermit ein wunderbares Bild schaffen, wann wie viele Leute von wo nach wo wollen. Bei einer Zusammenarbeit mit Google ließe sich so ein Großteil der Pendler erfassen. Ausgeschlossen sind diese, die wissen, wie man ihren privaten Peilsender zurechstutzt, diese, die gar kein Smartphone besitzen und diese, die kein Google-Smartphone besitzen. Statistisch gesehen dürften Leute, die den ÖPNV nutzen und ein Google-Smartphone besitzen allerdings einen großen Anteil ausmachen. Das ist allerdings eine reine Vermutung. Google müsste hierfür nur anonyme Randdaten herausgeben, womit man eine unwahrscheinlich genaue Statistik erstellen könnte, die Auskunft über oben genannte Daten gibt.

  1. Online Formular.

Methode eins erfasst leider nur Leute, die den ÖPNV nutzen und über ein Android Smartphone verfügen, das von Google überwacht werden kann. Ich zum Beispiel falle schonmal nicht in diese Kategorie, darum muss etwas besseres her: Ein Online-Formular, in dem völlig anonym angegeben werden kann, von wo nach wo man regelmäßig Pendelt und wo man sonst hin und wieder mal hin müsste. So könnte man beispielsweise die ganze Oberpfalz in Teilstücke unterteilen, damit nicht die direkte Adresse nötig ist. Diese Teilstücke dürfen jedoch nicht größer sein als ein paar Häuser, denn sonst wird die Genauigkeit beeinträchtigt. Um zu gewährleisten, dass niemand doppelt oder jemand mit Wohnsitz außerhalb des Erfassungsgebietes nutzlose Daten beiträgt, bekommt jeder Einwohner des Erfassungsgebietes von der Stadt oder seinem Landkreis einen Brief mit einem 16 Stelligen Code. Jegliche erfasste Daten bleiben hierbei anonym, da die Briege mit den 16 stelligen Codes nicht speziell für eine Adresse bestimmt sind. Diesen 16 Stelligen Code kann man entweder über eine Smartphone-App scannen oder auf der Website eintippen. So lässt sich auch erfassen, wie hoch die Teilnahme-Quote ist. Wenn der Brief an wirklich jeden verschickt wird, kann in einem kurzen Schreiben darüber informiert werden, um was es sich hier handelt, warum man das macht und wie man es nutzen kann/soll. Dies bringt die Genauigkeit zumindestens so weit, dass jeder, der sich für den ÖPNV interessiert, die Möglichkeit bekommt, an der Planung teilzuhaben. Auf der Website kann man nach Eingabe des 16 stelligen Codes bis zu 10 Strecken festlegen, die man regelmäßig zurücklegt, also Pendelt. Eine Strecke besteht aus einem Startpunkt und einem Endpunkt von jeweils einem der bereits erläuterten Teile. Für jede Strecke kann man angeben, zu welcher Urzeit diese am häufigsten gefahren wird. Sollte man beispielsweise in der Früh immer mit dem Bus um 7:40 zur Schule fahren, so wählt man den Zeitraum zwischen 7 und 8 Uhr für die Strecke von Zuhause zur Schule. Die Rückfahrt ist wiederrum eine extra Strecke, die auch wieder mit Startpunkt Schule, Endpunkt Zuhause und Uhrzeit zum Beispiel 1 Uhr bis 2 Uhr festgelegt wird. Sollte man auch Nachmittagsunterricht haben, so setzt man außerdem zwei mal Nachmittagsunterricht haben und deswegen später heim fahren, so setzt man für zwei mal Nachmittags aus in der Woche zwei Gewichtungen um beispielsweise 17 Uhr und drei Gewichtungen um ein Uhr. Zu einer Strecke wird außerdem die Häufigkeit pro Woche erfasst. Für den Schulweg hätte man hier genau 5 mal pro Woche. Eine gelegentliche Fahrt in die Stadt am Freitag Abend kann man mit einer genauen Häufigkeit von 0.5 mal pro Woche oder ungenauer Häufigkeit von unter einmal pro Woche / unter einmal pro Monat angeben.

Das Vormular soll also anhand von Strecken, die mit Häufigkeit pro Woche und Uhrzeit abgespeichert werden, die zwischen vorher eingeteilten Gebieten gespannt sind, den Bedarf auf einen Fahrgast genau ermitteln. ÖPNV Planer können dann hergehen und diese Daten einem Progamm füttern, das eine Karte erstellt mit Linien von den Orten zu bestimmten Orten mit der Häufigkeit der Nutzung. Damit kann man völlig ohne vorher gefärbte Informationen ein sehr genaues Bild bekommen, was der aktuelle Bedarf ist. Mit solchen feinen Daten lässt sich ein außerordentlich genaues, auf den Bedarf abgestimmtes ÖPNV-System planen.

Für eine möglichst hohe Genauigkeit wäre es von nöten, dass möglichst viele Menschen dieses Formular nutzen, darum sollte die Website dafür möglichst unkompliziert gestaltet sein und der Brief muss verständlich formuliert, kurz und knapp darlegen, warum diese Untersuchung nötig ist und was die Schritte sind. Nicht nur ÖPNV Nutzer sollen angesprochen werden, sondern auch diese, die lieber mit dem Auto pendeln. Für diese sollte man bei der Planung einen Platz reservieren, denn erfasst werden bei der Untersuchung rein die potentiellen Nutzer. In einer zweiten Untersuchung kann dann nach der Einführung des komplett von Grund auf neu entwickleten Systems die reale Nutzung der potentiellen angeglichen werden und zu große Kapazitäten etwas eingedämmt werden.

In der Realität wird es sicherlich Abweichungen geben, die Fahrgäste nicht vorraussehen können, darum sollte immer ein bisschen mehr Kapazität übrig sein als aus der Untersuchung hervorgeht. Außerdem wird es Leute geben, die nicht verstehen, was sie da tun und unnütze Daten eingeben, das wird nicht zu verhindern sein, aber eins ist sicher: Dieses System erfasst genau die wichtigen Punkte für die Verkehrsplanung, besser als jedes andere Methode und würde wirklich jeden erfassen, auch die, die lieber Auto fahren.

Ich hoffe das gab eine Anregungen für zukünftige Planung von ÖPNV-Systemen, bis zum nächsten Beitrag, Lucy geht jetzt schlafen, ist schon halb zwei in der Nacht. Warum hab ich solche Ideen immer erst so spät?

Vor genau einem Jahr kehrte ich Windows den Rücken

Vielen stinkts einfach von Windows. Sie sind genervt von erzwungenend Updates, genervt von ihrem langsamen Computer, genervt von der Komplexität, die Windows mit sich bringt. Aber es gibt einen Ausweg, einen sehr attraktiven Ausweg, wenn man sich darauf einlässt und offen für neue Ideen ist. Und nein dieser Ausweg heißt nicht Apple. Er heißt Linux.

Vorgeschichte

Als 2011 unser damaliger Computer den geist aufgegeben hat, haben wir den zu einem befreundeten Ingenieur gebracht, der sich recht gut mit Computern auskennt. Nach einer Weile haben wir den damals echt langsamen Computer mit 1Ghz single core Prozessor und 1GB RAM bestückten Rechner zurück bekommen. Die Festplatte war kaputt, die hat er ausgetauscht. Aber neben der Windows XP Wiederherstellungs CD gab er uns noch eine frisch gebrannte Ubuntu Installations DVD mit. Kommentiert hat er das ganze mit „Das läuft eventuell besser aus dem alten Teil, als das Windows XP.“ Und so hab ich das mal ausprobiert und kam zu meinem ersten Kontakt mit Linux. Gefallen hat es mir, plötzlich konnte man wieder was anfangen mit dem Teil. Und innerhalb kürzester Zeit hab ich das System da drauf zerschossen mit meiner Spielfreudigkeit. Ich hab mich auch umgeschaut, was Linux ist und wo das eingesetzt wird. An Computern war ich schon immer interessiert. Und so folgten zwei weitere Jahre, ich die damit verbrachte, mit diesem Computer rumzuspielen. Wir hatten zwar recht bald wieder einen funktionierenenden Laptop, aber den hab ich nicht oft bekommen. Und so war meine einzige Möglichkeit, einen eigenen Computer zu besitzt und damit herumzuspielen, dieses Gerät.

An Servern war ich auch schon immer interessiert, ich fand das spannend, so was einzurichten, also hab ich auch damit herumexperimentiert. Apache2 installiert, eine Website improvisiert. Aber noch viel mehr Einsatz hatte Linux dann auf einem Rechner, den wir von irgendwoher geschenkt bekommen hatte. War auch nur ein single core, aber mit 3,4GHz. Damit konnte man schon was machen. Ich wollte eine Installation, die wenig Leistung braucht und mit der ich möglichst viel machen kann. Dafür war Linux perfekt geeignet. Mit Fluxbox als Fenstermanager und selbst eingerichtetem Desktop hatte ich sehr schnell den Dreh raus, wie man 1080p YouTube auf meinem damals neu gekaufen Monitor schauen kann, ohne dafür viel Leistung zu brauchen. Irgendwann kam dann noch eine neue Grafikkarte dazu und das Teil wurde mit damals noch XBMC (heute heißt das Kodi Media Center) als Entertainment-Box verwendet. Musik hab ich damit gehört, YouTube hab ich geschaut. Aber vorallem hab ich eines geschafft: Mir meinen Traum eines eigenen Computers erfüllt. Völlig kostenlos, völlig selbstständig, mit alter Hardware, die man sonst weggeschmissen hätte.

Als ich dann zu meinem 14 Geburstag einen richtigen Computer bekommen hab, hab ich auch darauf mit Linux herumgespielt. 2014 war das ernsthafte Hardware: Ein Core i7-4790, 8GB RAM und eine NVidia GTX 970 Gigabyte Windforce Edition. Damals kam nur Windows 7 in Frage, es war ein spektakuläres Betriebssystem mit allem, was ich brauchte und allem, was ich wollte. Ubuntu 14.04 hab ich jedoch immer auch auf einer extra Partition gehalten und hab auch öfter mal darin rumgespielt. Es jedoch nie Ernst genommen, Linux war für mich immer noch besser für alte Hardware und spielen konnte ich damit leider (noch) nicht. Mein Upgrade auf Windows 10 hab ich bis 2016 rausgezögert. Anfang 2016 hab ich es allerdings dann doch durchgeführt, weil ich ganz einfach ein aktuelles, kostenloses Betriebssystem bekommen hatte, das immer noch alles konnte, was ich wollte. Aber mit jedem Windows Update wurde die Geschichte schlimmer. Was mich von Windows 10 ferngehalten hatte, war nämlich diese schreckliche Updatepolitik, aber ich hab es auf mich genommen, wollte die Chance nutzen, kostenlos ein aktuelles System zu haben. Ende 2016 hab ich sogar beim Neuaufsetzen des Computer diese Partition ganz gelöscht, weil ich einfach selten drin war und die 30 GB mehr auf meiner kleinen 250GB SSD gerade recht waren.

So viel zur Vorgeschichte. Ich hatte also schon immer Linux im Hinterkopf und war ein wenig vertraut damit, aber so richtig ernst als Alternative hab ich es nicht genommen. Das sollte sich allerdings ändern, als ich mehrere Linux YouTube-Kanäle gefunden hab, die gezeigt haben, wie die aktuelle Entwicklung von Linux ist und wie sehr es eine immer attraktivere Alternative wird. Auch beim Gaming hat sich was getan, Valve wollte viele Technologien, die es ermöglichen, Windows Spiele unter Linux auszuführen, in ein Programm zusammenfassen, das mit Steam mitgeliefert werden soll. Dieser und weitere andere Gründe führten dazu, dass ich ernsthaft in Erwägung zog, Linux nochmal eine Chance zu geben.

Mein Weg hin zu einem 100%igen Linux-Alltag, kann man in Folgende drei Bereiche unterteilen:

Boah, mir reicht’s, raus hier

Anfang 2018 entschied ich mich dann, diesem Blödsinn namens Windows endgültig den Kopfschuss zu geben. Ich wollte mich nicht mehr Unterdrücken lassen. Mir wurde das alles zu Anstrengend. Windows tat nicht mehr, was ich wollte, es machte, was Mircrosoft will. Die Telemetry Geschichte hat mir gar nicht gefallen und es musste einfach was anderes her, das benutzerfreundlicher und umgänglicher ist. Da kam mir Linux wieder in den Sinn.

Wie oben schon erwähnt, war mir also Linux von der Kindheit an schon immer ein Begriff. Dieser Begriff war mit Experimentieren, Überraschungen, Momenten des Erfolgs, aber auch Momenten des Misserfolgs und von Frust umgeben. Aber ich wollte ausprobieren, ob es tatsächlich möglich ist, einen Großteil meines Computeralltags auf Linux umzustellen.

Gaming hab ich dabei erstmal hinten angestellt, dafür hab ich meine Windows SSD behalten. Für Linux gab es eine extra 128GB SSD, die von einem anderen Projekt noch rumgelegen ist. Vorallem meinen Multimedia-Konsum und mein Webbrowsing wollte ich unter Linux relisieren, also waren die wichtigesten Punkte:

  • Chrome zum Laufen bekommen
  • einen Media Player, der an MPC-HC rankommt, einrichten.

Entschieden hab ich mich dann für Ubuntu 16.04 GNOME Edition. Eigentlich sollte es Debian werden, aber ich hatte massive Probleme, meine Grafiktreiber zum Laufen zu bekommen. Im Nachhinein weiß ich sogar, was das Problem war, aber damals war ich noch nicht so weit. NVidia is to blame, aber darauf gehe ich später noch genauer ein.

Chrome, ja das war kein Problem, konnte man ja aus einer PPA installieren und mit der Kommandozeile war ich schon etwas vertraut, vor allem apt wusste ich nach den paar Debian Unfällen zu benutzen. Dass es Chromium gibt, die Open Source Version von Google Chrome mit der gleichen Blink Engine, das man direkt über das Paket chromium-browser installieren konnte, das wusste ich damals noch nicht.

Als Media Player sollte es mpv werden. Klein, Schlank, Einfach zu bedienen, bisschen ungewohnt mit Konfigurationsdatei einzurichten, aber hatte trotzdem eine Möglichkeit, GPU-Shader zum hochskalieren des Videos zu benutzen, so wie MPC-HC und Konfigurationsdateien schreckten mich nicht ab, im Gegenteil.

Was bis zuletzt noch gefehlt hat, das war mein geliebter foobar2000, mein Musik Player. Aber auch dieses Problem konnte ich lösen indem ich den Music Player Daemon gefunden hab, der sich mit dem Gnome Music Player Controller steuern ließ. Diese Kombination ermöglichte es zudem, mit meinem Smartphone das ganze mit einer kostenlosen App zu steuern.

Das war also alles geschafft und ich hab mich langsam eingelebt in Linux. Hab rumexperimentiert und erkundet, was denn so alles möglich ist und hatte meinen Spaß. Mehr Spaß als unter Windows. Für Spiele wie Osu und Overwatch, die einzigen Spiele, die ich aktiv spiele, musste ich allerdings Neustarten und Windows benutzen, diese hatte ich noch nicht zum laufen gebracht.

Der GNOME-Desktop war definitiv die richtige Entscheidung für meinen Workflow, der sehr Mausgebunden war. GNOME Bedient sich komplett anders als Windows mit einer grundlegend anderen Idee und es sagte mir sehr zu. Alles war mit einem Kopfdruck an einem Ort und war nicht im Weg, wenn ich es nicht gebraucht hab. Den Produktivitätsschub, den ich dadurch bekommen hab, war spürbar.

Mh, das ist gar nicht schlecht – comfy

Ich kam also zu dem Entschluss, dass Linux für Produktivität und Arbeiten inzwischen das absolut überlegene OS war und so kaufte ich mir einen Laptop. Dafür gibt es sogar einen eigenen Beitrag. Aber im Grunde wollte ich ein Gerät, das leicht ist, viel Akku und nicht zu wenig Leistung besitzt und außerdem wollte ich Windows gar nicht erst einen Chance geben, weshalb ich mir Manjaro Linux als OS aussuchte. Das ansprechende an Manjaro war, ein Arch Linux installiert zu haben, ohne alles selbst machen zu müssen und gleichzeitig Zugriff auf das Arch User Repository zu bekommen. Den Tipp für Manjaro bekam ich von Leuten, die mir aus meiner Fansubzeit geblieben sind, die sich auf einem Discord-Server versammelt hatten, wo es um Videoencoding ging. Mein Vorhaben war sehr leicht unter Linux umzusetzten, aber das Arch User Repsitory brauchte ich dafür. Auf meinem großen Computer hatte ich noch keine Zeit, komplett umzusteigen, aber die Live-Version hab ich ausprobiert und es hat mir sehr zugesagt, also hab ich das auch gleich auf meinem Laptop eingesetzt.

Ja, das AUR (Arch User Repository), eine Welt, die sich mir da aufgetan hat, die so vieles so viel einfacher gemacht hat. Die Idee ist wirklich einzigartig und wirklich toll: Man erstellt einfach eine Datei mit Anweisungen für einen AUR-Helper, wie er ein Programm zu kompilieren hat. Im Prozess wird dabei direkt eine Paket-Datei erstellt, die sich mit dem Package Manager des jeweiligen Systems installieren lässt. Unter Arch Linux basierten Linux Distributionen ist das pacman. So lässt sich ein selbst kompiliertes Programm auch leichter wieder entfernen. Die Abhängigkeiten erfüllt der AUR-Helper für einen und in den meisten Fällen ist die Installation so einfach, wie das installieren eines Paketes aus dem offiziellen Paketquellen.

Aber das war nicht alles. Zusätzlich hab ich einen YouTube Kanal eines Linux-Benutzers (Luke Smith) gefunden, der wirklich einzigartie Programm gezeigt hat. Innerhalb kürzester Zeit lernte ich mit vim umzugehen, experimentierte mit anderen Terminal-Programmen herum und brachte mir Grundkenntnisse mit LaTeX bei. Einen wirklich tollen Fenstermanager hab ich auch entdeckt, den ich zwar heute nicht mehr benutze, aber einen, der fast komplett gleich funktioniert, nur kein xorg mehr benutzt, einen sogegannten tiling window manager. Auf einem Laptop ist das unschlagbar, wenn man mit der Tastatur Programme zwischen Workspaces hin und herschieben kann und gleichzeitig auch das Anordnen der Programme mit der Tastatur steuern kann. Griffwechsel zwischen Tastatur und Maus sind so viel geringer, was die Produktivität wiederrum steigert.

Das Problem mit Gaming hab ich dann auch irgendwann halbwegs gelöst, als ich Overwatch endlich über Lutris zum laufen gebracht hab und so zumindest dieses Spiel unter Linux spielen konnte. Mit DXVK (DirectX Vulkan) war es sogar mit fast der gleichen Leistung wie unter Windows spielbar.

Das Leben ist entspannt unter Linux, aber es sollte noch mehr kommen:

Wow, ich will nie wieder zurück

Das beschreibt die letzte Phase in meinem Linux-Experiment, denn ich will wirklich nie wieder zurück.

Nachdem ich einige Seiten gefunden hab, die mein Audio-Verzögerungsproblem mit Osu! gelöst haben, stand dem völligen wechsel nichts mehr im Wege. Ich konnte plötzlich alles unter Linux machen, was ich auch unter Windows konnte. Zwar nicht mit dem gleichen Programmen und auch nicht auf die gleiche Art und Weise, aber definitiv einfacher und produktiver. Das ist es, auf das man sich einlassen muss, dann ist der Umstieg auch sehr schmerzlos. Linux ist nicht Windows und es funktioniert auch grundlegend anders.

Tatsächlich hab ich sogar eine wesentlich niedrigere Audio-Verzögerung erreicht unter Linux, als es unter Windows je möglich wäre in dem besagten Spiel. Meine Steam Spielen waren auch überhaupt kein Problem. Dank Steams Erfolgen mit SteamPlay und Proton war es problemlos möglich, einen Großteil meiner Windows-Steam-Spiele auch unter Linux zu spielen.

Den absoluten Höhepunkt würde ich den Kauf eine neuen Grafikkarte benennen, mit dem ich endlich meine NVidia Grafikkarte ersetzten konnte, die eigentlich nur Probleme unter Linux gemacht hat dank der Tatsache, dass sich NVidia weigert, mit der Linux-Cooperation in Bezug auf Grafiktreiber zusammen zu arbeiten. Mit einer NVidia Grafikkarte ist man an Xorg gebunden, einen Displaymanager, der eine absolute Kathastrophe darstellt. Seit einigen Jahren wird an dem Nachfolger, der diese ganze Geschichte von Grund auf besser macht, namens Wayland gearbeitet. Diesen hatte ich mit dem Fenstermanager sway und unter der Wayland fähigen GNOME-Version auf meinem Laptop ausprobiert und wayland erlaubte es mir, meinen 2160p (4K) Monitor endlich in seinem vollem Umfang zu nutzen und endlich mit dabei zu sein, beim Zuschauen von der stetigen Entwicklung dieses zukunftsfähigen Displaymanagers.

All dies und der Fakt, dass sich Osu! unter Linux sogar besser spielen lässt, werden mich wohl für immer auf der Linux Seite halten. Desktop-Computer sind vorm aussterben bedroht, weil mobile Geräte wie Smartphones und Tablets die Welt überfluten und auch schon Schulen und den Arbeitsbereich einnehmen. Windows wird meiner Meinung nach nur noch benutzt, um Kompatibilität mit Software zu gewährleisten, die kein Linux unterstützt, und das in VDIs, also virtueller Desktop-Infrastruktur.

Jedem, den dieser Beitrag dazu bewegt hat, sich Linux auch einmal anzuschauen, den ermutige ich dazu, sich eine virtuelle Maschine mit Ubuntu Linux aufzusetzen. Oder einfach mal die Live-Version von Manjaro Linux auf seinem Computer auszuprobieren. Vielleicht gefällt Dir ja, was zu sehen und bedienen wirst.

Bis zum nächsten Beitrag, Lucy.

Das Smartphone verschwendet deine Zeit

Smartphones sind Zeitverschwender. Wer mich kennt, für den klingt das jetzt wahrscheinlich ziemlich lustig. Bin beziehungsweise war ja immer bekannt als der absolute Handy-Süchtling unter meinen Leuten und an meiner Schule. Und es war auch wirklich eine schlimme Geschichte. Wir sind essen gegangen, ich hab mein Handy rausgeholt. Wir hatten Pause, ich hab mein Handy rausgeholt. Wir sind spazieren gegangen, ich hab mein Handy rausgeholt. Und was hab ich gemacht an meinem Handy? Naja, gab einiges zu tun. Nachrichten beantworten, Snapchat durchschauen, auf Twitter rumscrollen, mich von meinen Instragram berießeln lassen.

Irgendwann hab ich mich dann entschlossen, dass es so nicht weiter gehen kann und ich hab es geschafft, das einigermaßen zu reduzieren. Mit dem Kauf von meinem Laptop hab ich dann gemerkt, wie unproduktiv das kleine Ding eigentlich ist. Schreiben dauert unheimlich lange und die paar produktiven Apps, die mir wirklich was bringen, stell dir vor, es geht auch ohne die. Meine Busline kenn ich und ich recherchiere sowieso viel lieber auf einem richtigen Computer. Das hat mir natürlich auch unheimlich geholfen, von meinem Handy weiter loszukommen.

Vor ca zwei Monaten hat mein Smartphone, ein Samsung Galaxy Note 3, dann langsam angefangen rumzuspinnen. Ohne es auch nur irgendwie anzurühren war der Akku schon nach ein ein halb Tagen leer. Dauernd haben irgendwelche Dienste irgendwas im Hintergrund gemacht. Das ich auch bekannt als die gute alte Samsung Akku-Krankheit. Es hat mich jedenfalls zu dem Punkt genervt, dass ich ernsthaft überlegt hab, mir ein Purism Librem 5 zu holen, wie sich aber herrausstellte, war das doch etwas zu gewagt vorallem in Bezug auf den hohen Preis von an die 600€. So hab ich mein nach einem Android Smartphone umgeschaut, das ein offenes Android Betriebssystem nachem LineageOS am laufen hat. Grund dafür war, dass ich meine Privatsphäre erhöhen wollte und von den immer verfolgenden Google Diensten abstand bekommen wollte.

Schließlich hab ich dann ein fast nagelneues Samsung Galaxy Note 3 für 130€ auf ebay gekauft, das ich noch am darauf folgenden Tag mit LineageOS ausgestattet habe. Ein sehr guter Deal wie ich finde. Und ja, ich habe mir genau das gleiche Handy nochmal gekauft. Mit dem kenn ich mich aus, das funktioniert prima, hat alles, was ich brauche und keinen unnötigen Schnickschnak.

So viel zur Vorgeschichte. Denn dieses Mal bin ich mein einrichten meines Smartphones einen ganz anderen Weg gegangen. Ich habe tatsächlich nur die Apps installiert, die ich unbedingt brauche. Ich hab überlegt, was ich mit meinem Handy tatsächlich mache und das sind folgende Dinge: Anrufen, Nachrichten beantworten, Musik hören, nachschauen, wann mein Bus geht, Fotografieren und hin und wieder im Internet Surfen. Was hab ich also installiert? Tatsächlich nicht mehr, als PowerAmp, meinen Musikplayer, die App für unseren ÖPNV, Firefox, eine Kamera App, die ich sehr gern benutze und Telegram. Kein WhatsApp, kein Instagram, kein Snapchat, kein YouTube, kein Twitter. Alles Dinge, ohne die ich am Handy wunderbar auskomme.

An dieser Stelle ist es Zeit, über meine WhatsApp Geschichte zu reden und warum ich auf meinem eigentlichen Handy kein WhatsApp mehr habe. Alles fing an mit Google+. Ich hab mich für Anime und Manga interessiert, weil ich über einen Musik Promotion Channel auf YouTube zufällig auf Anime Artwork gestoßen bin. Ich wollte nie ein größeres soziales Netzwerk benutzen, beim Facebook Mainstream mitzumachen, hat mir noch nie gefallen. Der Gedanke, Dinge aus meinem privaten Leben mit Kreisen zu Teilen. Also hab ich Gruppen gesucht, die ein spezielles Thema verfolgen, über das man dann Posten und Schreiben kann. Über Google+ bin ich zum Thema Anime und Manga fündig geworden. Google+ gibt es seit ein paar Tagen nicht mehr, aber ich hab dort viele tolle Leute kennen gelernt, viele tolle Sachen entdeckt und viel Zeit verbracht. Irgendwann hat dann jemand einen Post gemacht über eine WhatsApp Gruppe zu diesen Themen und ich hab ein bisschen überlegt, aber hab letztendlich meine Nummer jemandem gegeben, die mich hinzugefügt hat. Und so hab ich meine hauptsächliche Zeit auf WhatsApp verbracht für das nächste Jahr. Ich hatte einen heiden Spaß, hab mich viel unterhalten und unter anderem meine jetzige (und vorherige) Freundin kennen gelernt.

Nur irgendwann wurde das zu viel. Mein Gehirn hatte keine Pause mehr, war durchgehend mit irgendwas beschäftigt. Am Anfang ist mir das auch aufgefallen, einem schnell Chatverlauf zu folgen und etwas zu schreiben, erfordert eine hohe Lesegeschwindigkeit und am besten WhatsApp Web mit einer richtigen Tastatur. Aber spät hab ich mich daran gewöhnt und gar nicht gemerkt, wie ich mein Gehirn mit abwechselndem Osu! spielen und WhatsApp schreiben nach und nach immer mehr überfordert hab. Im November 2016 hatte mich allerdings eine Bekanntschaft so weit in den Wahnsinn getrieben, dass ich einfach nur noch raus wollte aus WhatsApp. Der Fakt, dass WhatsApp kurz zuvor an Facebook verkauft wurde, hat mich angewiedert und diese eine Person hat mich letztendlich dazu gebracht, meine messages.db und alles andere an WhatsApp Daten zu sichern und diese App komplett von meinem Handy zu löschen. 820 Megabyte and reinem Text in Form einer sqlite-Datei ist über diesen Zeitraum entstanden. Wenn man sich überlegt, dass jede Nachricht durchschnittlich nur einige Byte groß ist, kann man sich ungefähr ausrechnen, dass in diese Zeitraum ein Nachrichtenverkehr von über Hunderttausend Nachrichten entstand. Wie viel Zeit es mich gekostet hat, einen Großteil davon zu lesen und zu verfassen, will ich mir gar nicht ausmalen.

Aber jetzt wieder zurück zum Thema: Was ich dadurch erreicht habe, nun ein Smartphone zu besitzen, das mich nur über einen Webbrowser und Telegram mit der Außenwelt verbindet, lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Zeit. Mehr Zeit. Viel mehr Zeit. Endlich konnte ich mich auf die Schule konzentrieren, hatte zwischen den Osu!-Maps Zeit zum runterkommen. Und zusätzlich dazu verschwende ich keine Zeit mehr vor dem Einschlafen, am Küchentisch in der Früh, in der Schule. Ich habe diese Zeit, die ich vorher permanent am Handy war zu eine Zeit gemacht, die ich für mich habe und für den sozialen Umgang.

Des weiteren hab ich es geschafft, meinen YouTube-Video Konsum dahingehend einzudämmen, dass ich nur noch bewusst Dinge schaue, dich mich interessieren. Ich habe ganz einfach die Erfahrung gemacht, dass man sich nicht nur von seinem Smartphone, sondern generell von Plattformen berießlen lässt, weil einem gerade langweilig ist, oder einem nicht nach etwas Produktiven ist. Und ich kann das Absolut verstehen, nach einem Schultag von 8:10 bis 17:00 hat man am Ende keine Lust mehr, auch nur irgendwas Produktives zu tun, da schmeißt man den Fernseher an und gut is‘. Oder man kuschelt sich ins Bett ein und beschäftigt sich mit Twitter oder ähnlichem.

Vielen ist bestimmt aufgefallen, wie leicht man dabei mehr Zeit verbringt als man will. Denn Lebensunterhalt der Plattformen ist es, dass sie die Zeit, die man auf der Plattform verbringt möglichst lange gestalten, sodass man möglichst viel Werbung sieht und möglichst viel Geld verdient wird. So lässt man sich also von einem Algorithmus einer Plattform zuschütten, die nicht den Sinn hat, einem gute Inhalte zu präsentieren, die die Interessen von einem selbst verfolgen, sondern den Hintergedanken hat, einen möglichst lange auf der Plattform zu behalten.

Was kann man also zum Abschluss sagen, dass das hier nicht noch länger wird? Man sollte sich gut überlegen, mit was man wie viel Zeit verbringt, denn sonst verliert man die Kontrolle unumgänglich. Was einen sehr gut dabei unterstütz, ist keine Apps auf dem Handy zu haben, die keinen direkten Nutzen haben. Man sollte unbedingt einen Abstand zwischen sich und dem Netz schaffen. Einen Abstand, der so groß ist, dass man seine Zeit bewusst verbringt und nicht einfach nur unnötig Zeit verliert und verschwendet. Was mich an Social Media Netzwerken noch stört, werde ich in einem weiteren Beitrag erklären, denn der Kontrollverlust über seine Zeit ist nur eines von vielen Problemen.

Und damit bis zum nächsten Beitrag, ich geh jetzt eine Runde Osu! spielen, Lucy.