Verkehrsplanung im 21. Jhd

Wenn man ein Verkehrssystem plant, was gibt es da zu beachten? Nun, im Grunde eigentlich nur zwei Dinge: Von wo nach wo wollen die Leute und wie viele sind es. Was man auch noch beachten sollte, das wäre, wann diese Leute fahren. Denn es gibt Stoßzeiten, zu denen man in die Arbeit oder zur Schule und wieder zurück möchte. Wäre ja doof, wenn Busse/Züge umsonst fahren oder völlig überfüllt sind.

Wie kommt man denn an diese Daten? Naja, traditionell startet man Umfragen, untersucht bestehende Auslastungen und hört auf Kritik und Lob der Nutzer. Alles so lala. An Umfragen wird nur ein sehr geringer Prozentsatz wirklich teilnehmen, Untersuchungen bestehender Systeme geben nur Auskunft über die Bestandheit des bestehenden Systems und Kritik und Lob der Nutzer werden selten gehört.

Traditionelle Methoden um ein Verkehrssystem zu planen sind also alle nicht ganz komplett. Entweder entgeht ein Großteil der aktuellen und potentiellen Nutzer oder es kann nur Kritik über ein bestehendes System eingeholt werden. Außerdem erfasst keine dieser drei Methoden so wirklich die eigentlich wichtigen Fakten: Wie viele Leute wollen von wo nach wo.

Das 21. Jahrhundert bringt allerdings wesentliche effektivere Methoden zur Erfassung dieser Fakten mit sich.

  1. Google Standortdaten.

Fast jeder besitzt heutzutage ein Smartphone. Jedes moderne Smartphone hat ein GPS Modul eingebaut. Das Smartphone weiß also immer wo es ist, sofern der Nutzer dies zulässt. Und wenn das Smartphone das weiß, dann weiß Google das auch. Man braucht sich nur die „Aktuelle Verkehrslage“-Karte in Google Maps anschauen. Hier wird in quasi live-Daten angezeigt, wie stark befahren eine Straße ist. Ermitteln tut Google diese Daten über Smartphones, die mit deren Betriebssystem laufen, also jedem Android Smartphone. Google Maps gibt auch Einblicke über den durchschnittlichen und aktuellen Zulauf bestimmter Orte. So kann man sich ein gutes Bild machen, wann ein Restaurant am meisten Besucher hat beziehungsweise ob sich der Versuch lohnt, dort ohne Reservierung einen Platz zu bekommen. Google weiß also theoretisch immer, wann wer wo ist. Diese Daten lassen sich beispielsweise von der Polizei anonymisiert abfragen. Bezogen auf ein Verkehrssystem lässt sich hiermit ein wunderbares Bild schaffen, wann wie viele Leute von wo nach wo wollen. Bei einer Zusammenarbeit mit Google ließe sich so ein Großteil der Pendler erfassen. Ausgeschlossen sind diese, die wissen, wie man ihren privaten Peilsender zurechstutzt, diese, die gar kein Smartphone besitzen und diese, die kein Google-Smartphone besitzen. Statistisch gesehen dürften Leute, die den ÖPNV nutzen und ein Google-Smartphone besitzen allerdings einen großen Anteil ausmachen. Das ist allerdings eine reine Vermutung. Google müsste hierfür nur anonyme Randdaten herausgeben, womit man eine unwahrscheinlich genaue Statistik erstellen könnte, die Auskunft über oben genannte Daten gibt.

  1. Online Formular.

Methode eins erfasst leider nur Leute, die den ÖPNV nutzen und über ein Android Smartphone verfügen, das von Google überwacht werden kann. Ich zum Beispiel falle schonmal nicht in diese Kategorie, darum muss etwas besseres her: Ein Online-Formular, in dem völlig anonym angegeben werden kann, von wo nach wo man regelmäßig Pendelt und wo man sonst hin und wieder mal hin müsste. So könnte man beispielsweise die ganze Oberpfalz in Teilstücke unterteilen, damit nicht die direkte Adresse nötig ist. Diese Teilstücke dürfen jedoch nicht größer sein als ein paar Häuser, denn sonst wird die Genauigkeit beeinträchtigt. Um zu gewährleisten, dass niemand doppelt oder jemand mit Wohnsitz außerhalb des Erfassungsgebietes nutzlose Daten beiträgt, bekommt jeder Einwohner des Erfassungsgebietes von der Stadt oder seinem Landkreis einen Brief mit einem 16 Stelligen Code. Jegliche erfasste Daten bleiben hierbei anonym, da die Briege mit den 16 stelligen Codes nicht speziell für eine Adresse bestimmt sind. Diesen 16 Stelligen Code kann man entweder über eine Smartphone-App scannen oder auf der Website eintippen. So lässt sich auch erfassen, wie hoch die Teilnahme-Quote ist. Wenn der Brief an wirklich jeden verschickt wird, kann in einem kurzen Schreiben darüber informiert werden, um was es sich hier handelt, warum man das macht und wie man es nutzen kann/soll. Dies bringt die Genauigkeit zumindestens so weit, dass jeder, der sich für den ÖPNV interessiert, die Möglichkeit bekommt, an der Planung teilzuhaben. Auf der Website kann man nach Eingabe des 16 stelligen Codes bis zu 10 Strecken festlegen, die man regelmäßig zurücklegt, also Pendelt. Eine Strecke besteht aus einem Startpunkt und einem Endpunkt von jeweils einem der bereits erläuterten Teile. Für jede Strecke kann man angeben, zu welcher Urzeit diese am häufigsten gefahren wird. Sollte man beispielsweise in der Früh immer mit dem Bus um 7:40 zur Schule fahren, so wählt man den Zeitraum zwischen 7 und 8 Uhr für die Strecke von Zuhause zur Schule. Die Rückfahrt ist wiederrum eine extra Strecke, die auch wieder mit Startpunkt Schule, Endpunkt Zuhause und Uhrzeit zum Beispiel 1 Uhr bis 2 Uhr festgelegt wird. Sollte man auch Nachmittagsunterricht haben, so setzt man außerdem zwei mal Nachmittagsunterricht haben und deswegen später heim fahren, so setzt man für zwei mal Nachmittags aus in der Woche zwei Gewichtungen um beispielsweise 17 Uhr und drei Gewichtungen um ein Uhr. Zu einer Strecke wird außerdem die Häufigkeit pro Woche erfasst. Für den Schulweg hätte man hier genau 5 mal pro Woche. Eine gelegentliche Fahrt in die Stadt am Freitag Abend kann man mit einer genauen Häufigkeit von 0.5 mal pro Woche oder ungenauer Häufigkeit von unter einmal pro Woche / unter einmal pro Monat angeben.

Das Vormular soll also anhand von Strecken, die mit Häufigkeit pro Woche und Uhrzeit abgespeichert werden, die zwischen vorher eingeteilten Gebieten gespannt sind, den Bedarf auf einen Fahrgast genau ermitteln. ÖPNV Planer können dann hergehen und diese Daten einem Progamm füttern, das eine Karte erstellt mit Linien von den Orten zu bestimmten Orten mit der Häufigkeit der Nutzung. Damit kann man völlig ohne vorher gefärbte Informationen ein sehr genaues Bild bekommen, was der aktuelle Bedarf ist. Mit solchen feinen Daten lässt sich ein außerordentlich genaues, auf den Bedarf abgestimmtes ÖPNV-System planen.

Für eine möglichst hohe Genauigkeit wäre es von nöten, dass möglichst viele Menschen dieses Formular nutzen, darum sollte die Website dafür möglichst unkompliziert gestaltet sein und der Brief muss verständlich formuliert, kurz und knapp darlegen, warum diese Untersuchung nötig ist und was die Schritte sind. Nicht nur ÖPNV Nutzer sollen angesprochen werden, sondern auch diese, die lieber mit dem Auto pendeln. Für diese sollte man bei der Planung einen Platz reservieren, denn erfasst werden bei der Untersuchung rein die potentiellen Nutzer. In einer zweiten Untersuchung kann dann nach der Einführung des komplett von Grund auf neu entwickleten Systems die reale Nutzung der potentiellen angeglichen werden und zu große Kapazitäten etwas eingedämmt werden.

In der Realität wird es sicherlich Abweichungen geben, die Fahrgäste nicht vorraussehen können, darum sollte immer ein bisschen mehr Kapazität übrig sein als aus der Untersuchung hervorgeht. Außerdem wird es Leute geben, die nicht verstehen, was sie da tun und unnütze Daten eingeben, das wird nicht zu verhindern sein, aber eins ist sicher: Dieses System erfasst genau die wichtigen Punkte für die Verkehrsplanung, besser als jedes andere Methode und würde wirklich jeden erfassen, auch die, die lieber Auto fahren.

Ich hoffe das gab eine Anregungen für zukünftige Planung von ÖPNV-Systemen, bis zum nächsten Beitrag, Lucy geht jetzt schlafen, ist schon halb zwei in der Nacht. Warum hab ich solche Ideen immer erst so spät?

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