Eine Nachricht aus der Zukunft

Hallo, ich bin Felíc, 24 Jahre alt, geboren wurde ich hier in Regensburg 2040, das heißt, wir schreiben das Jahr 2064, für alle langsamen. Warum genau schreib ich das nochmal am Anfang von jedem Blogpost, den ich so mache? Ich weiß es nicht, aber ich stell mich gern vor. Irgendwie fasziniert mich die Vergangenheit, die Zukunft, einfach die Zeit. Ich denke oft darüber nach, was in 20 Jahren so alles sein wird.

Jedenfalls, die Menschheit ist am Ende. 2019 sind Schüler dafür auf die Straße gegangen, dass die Klimaschutzziele eingehalten werden. Hätten sie doch länger durchgehalten. Die Politik hat es ignoriert, sie haben weiter nichts getan, obwohl die Technologie schon längt so weit ist. Ich mein wer bezieht schon seinen Strom noch von einem Netzwerk, so einen Blödsinn gab es schon vor meiner Geburt nicht mehr. Solarzellen sind seit jahrzehnten so weit, dass man sie für alles, was man so an Strom braucht, einsetzen kann. Das Problem der Speichermöglichkeiten ist längst gelöst, seit es endlich Solid-State Batterien gibt. Die Dinger speichern dir den Strom für die nächsten Wochen, wenn mal die Sonne gut scheint. Autos fahren schon lange nicht mehr mit Benzin, nur noch wirklich gut restaurierte Oldtimer tun das, die sieht man aber selten. Die anderen Autos laden sich automatisiert hi und da mal auf, aber dank der Solid-State Batterien war ich glaub ich letzte Woche das letzte Mal laden damit? Ich weiß es nicht mehr, eigentlich reicht der Strom von daheim sowieso aus. Aber das Ding benutz ich eh nur zum Einkaufen, wenn ich mal zu viele Einkäufe hab, denn das PTS (People Transport System) ist meistens viel schneller. Bahnen fahren jede halbe Minute und mein kleiner Pod bringt mich viel leichter dahin, als mein Auto und nimmt nicht so viel Platz weg, wenn es wieder heimfährt. Außerdem braucht es keine Straße und ist flinker und schneller auf den Pod-Strecken.

Ach übrigens, Kernfusion ist uns leider immer noch nicht gelungen. Was Mutter Natur da zusammen gezaubert hat, ist quasi unmöglich zu reproduzieren. Aber auf dem Mond gibt es eine richtige Lunar-Basis. Die Marsmission war leider ein totaler misserfolg, nach 5 Jahren laufender Mission haben sie jeglichen Kontakt zu der letzten Person verloren. Eine Erkundungsmission hat dann herausgefunden, dass er wohl Suizid begangen hat, weil er alleine war und und der Rest der Crew unter schweren Depressionen litt, die sie am Ende alle das Leben gekostet hat. Darum dürfen die Astronauten am Mond auch nicht länger als ein Jahr dort bleiben und müssen täglich mit ihren Leuten auf der Erde Kontakt aufnehmen. Internet da oben scheint ganz okay zu sein, nur der Ping ist scheinbar scheiße, also leider keine Online-Spiele.

Und oh man, was soll man sagen, seit ich denken kann, hat jeder so ein komisches Ding in seinem Ohr. Man bekommt darüber alle Informationen, an die man nur denkt und sie können sogar in das Sehzentrum Daten leiten, die dann die Realität augmentisieren oder man kann damit auch komplett abtauchen. Was aber leider an vielen Orten verboten ist, weil man eben keine Kontrolle über seinen Körper mehr hat, man schläft dann sozusagen, alles Muskeln erschlaffen und man kann alles mit einem machen, ohne, dass man was davon mitbekommt, weil dieses Gerät ja auf alle Sinne zugreift. Es gibt aber auch Zwischenmodi, wo nur bestimmte Sinne teilweise oder ganz Weg sind. Eintauchen in fremde Welten ist damit wirklich faszinierend, denn die Grenzen zwischen Realität und Virtuellem werden dadruch verdammt eng. Wäre da nicht dieses Menü von dem Gerät, das man immer in seinem Gesichtsfeld hat, würde man wirklich nicht merken, dass man gerade gar nicht real ist. Außer Gefühle, die kann das kranke Teil immer noch nicht übermitteln. Aber man arbeitet daran, jedoch glaube ich nicht, dass das jemals gelingen wird.

Meine Eltern waren jedenfalls immer sehr kritisch gegenüber diesen Dingern. Und anhand meines Tones kann man bestimmt erkennen, dass ich das auch bin. Habe nämlich sehr schlechte Erfahrungen gemacht damit. Als ich 12 war, brauchte ich so ein Gerät für die Schule, aber kaum hatte ich es, ließ ich mich von meinen Freundinnen immer weiter in surreale Welten ziehen, bis ich schließlich an einem psychischen Zusammenbruch litt und vollkommen die Verbindung zur Realität verloren hatte. Meine Eltern sind damals neben mir am Bett gesessen, als ich im Krankenhaus an der künstlichen Nahrungsversorgung komplett abgemagert und verwirrt aufwachte. Sie haben mich in den Arm genommen und mir gezeigt, was Elternliebe wirklich ist. Leider bin ich kein Einzelfall, der dem ewigen Informationsschwall der Medien und der ständigen Werbung von lokalfremden Informationsquellen nicht standhalten kann. Und außerdem meinen meine Eltern ich wäre einer der wenigen Fälle, die noch Gefühle verspüren und dadruch zwischen Realität und Virtuellem unterscheiden können. Sie haben mir die Wärme und Liebe gezeigt, die mir die zwei Jahre in der virtuellen Realität nicht gegeben haben und haben mich dadurch gerettet. Ich liebe meine Eltern.

Eigentlich ist alles vernetzt. Die Politik hat zwar versagt, diese ganzen Techniken sinnvoll in den Bund zu integrieren, aber die Politik versagt sowieso auf ganzen Strecken. Niemand geht mehr wählen, Gesetzeslücken für unsere heutige Welt werden schamlos mit Ausreden von gestern missbraucht und Schulpflicht wurde irgendwann aufgegeben durchzusetzen, weil die Kinder viel effektiver und realitätsorientierter in der virtuellen Welt lernen können. Es gibt tausende Plattformen, die einem Wissen auf die für einen passenden Methode zur verfügung stellen und werd Zugriff zum Internet hat, der nutzt diese Möglichkeiten auch. Grundsätzlich haben wir also eigentlich nur noch komplett leere Schule. Nur Leute unter dem Mindesteinkommen, sprich Leute, die sich keinen Zugang zum Internet leisten können, gehen dort hin. Und ich, weil meine Eltern mich dazu ermutigten, „sich diesem Blödsinn mal anzuschauen.“ Und ja, es ist Blödsinn, denn die Lehrer geben den Schülern einfach ihre Lernplattform der Wahl auf ausgeliehen Ohrgeräten mit dem passenden Thema vor und versinken dann in ihre eigene Welt. Nur ganz wenige wissen überhaupt, was sie unterrichten und eigentlich baden sie nur den Mist vom Ministerium aus. Und meistens machen die Schüler übrigens dann mit den Dingern einfach nur, was sie wollen, was meistens Spiele sind, weil sie einfach keine Perspektive haben. Ich hatte damals allerdings eine. Mein Papa ist Software Entwickler und schreibt für Informationsunternehmen zusammen mit seinem eigens kreierten KI-Entwickler richtig krasse Programme, die Informationen verarbeiten. Und darum geht’s eigentlich in dem vierten Sektor. Geschichte hat gezeigt, dass die Menschheit immer weiter zu effektiveren Methoden greift, immer mehr mit immer weniger Menschen machen möchte. Und so farmen heute automatische Farmingmaschinen unsere Felder und Häuser werden von künstlicher Intelligenz den Bedürfnissen der Wohnenden angepasst und anschließend von Robotern gebaut, die können das eh präziser wie jeder Mensch, sind schneller und effektiver. Denn die Roboter wurden ja auch von künstlicher Intelligenz geschaffen.

Das ist der vierte Sektor, der eigens damit Geld verdient, Informationen den künstlichen Intelligenzen zuzuführen. Aber auch das kann bald übernommen werden und wird eigentlich schon teilweise von künstlicher Intelligenz übernommen. Die Menschen verbringen ihre Zeit größtenteils mit überwachen der Maschinen und Entwickeln und Forschen von neuen Ideen, zumindest wer einen Arbeitsplatz bekommen hat, weil er intelligent genug ist, oder genug Perspektive hat, sich nicht nur Spielewelten reinzuziehen über den Ohrstöpsel und seinen Abschluss auf einer von diesem vielen Lernplattformen macht.

Leider basiert ein Großteil der Industrie auch darauf, Kindern ihr Taschengeld abzudrücken und sie in virtuellen Welten zu fangen, wo sie möglichst mehr Geld abdrücken und am Ende ihre Eltern um Geld anbetteln. Der Staat unternimmt dagegen nichts. Denn was früher Lobbyisten der Unternehmen waren, das sind heute die Politiker selbst. Und Parteien existieren sowieso nur noch, weil sie von Unternehmen bezahlt werden. Politiker nimmt keiner mehr ernst. Demokratie, so ein guter Witz. Wählen kann man zwar über’s Internet aber genau da liegt der Haken. Meine Mum erarbeitete, in ihrer Freizeit wohl gemerkt, eine genaue Analyse der Wahlwebsite und leider stellte sich dabei heraus, dass dieses System so leicht zu manipulieren sei, wie die „Bürger“ selbst. Wählen kannste zwar, aber wird den meisten Menschen ja sowieso vorher ins Gehirn geblasen, was sie zu denken haben, also wo der Sinn dahinter? Außerdem „wählen“ kann man, ja, aber leider nur zwischen Pest und Kolera. Ich liebe dieses alte Sprichwort von meiner Mutter.

Ich weiß nicht, wie man es schafft, in dieser Welt noch bei Sinnen zu bleiben, aber ich denke, dass alles, was einen Menschen noch besser dastehen lässt, als einen Computer, das sind Gefühle. Gefühle sind das, was uns Menschen zu Menschen macht und keine Maschine kann sie so gut vermitteln, wie Menschen selbst. Wenn ich mir überlege, wie viel wir Menschen schaffen können zusammen mit Maschinen. Die Maschinen sind ohne uns auch nichts wert. Wenn ihnen niemand eine Richtung gibt, tun sie nichts. Sie können nicht mal zählen, wenn man ihnen keine Grundlage gibt, keine Zahlen dafür gibt. Und im Erfinden und Forschen werden sie uns wohl niemals überholen werden. Jedoch liegt es einzig und allein an den Menschen hintern den Maschinen, etwas gutes oder etwas schlechtes zu tun. Gewissen haben Maschinen auch nicht, wobei man sich bei vielen Menschen fragen müsste, ob ihnen das nicht auch fehlt.

Oh, schon so spät! Ich muss morgen früh raus, es geht um die Planung eines neuen Bahnhofes im Stadtinneren. Der muss nach 40 Jahren leider dem massiven Zuwachs an Menschen gerecht gemacht werden, das letzte Mal haben sie den 2024 Umgebaut. Aber das wird eine Leichtigkeit mit meinem Computer und dem Neurolink. Ich weiß, so altmodisch, kein Cloudcomputer, uuuh. Aber hey, das war ein guter Tipp von meinem Dad, so ein altmodisches Teil zu verwenden, denn damit bin ich wirklich nicht mehr angreifbar für irgendwelchen zeitverschwendenden Blödsinn aus den Medienplattformen, der es über die Chatchannels in mein Unterbewusstsein schafft, weil mein Dad mir beigebracht hat, den Informationsfluss selbst zu kontrollieren mit seiner Software. Die Informationen für den Umbau wurden über einen Zeitraum der letzten Jahrzehnte gesammelt. Mit den milliarden Sensoren, die am ganzen Bau angebracht worden sind, konnte man genau Daten sammeln für einen neuen, wunderschönen Bahnhof, ich freu mich auf die Ergebnisse der Berechnungen morgen. Mein Chef hat mir heute bekannt gegeben, dass der Prozess in der Cloud durchgelaufen ist. Braucht länger als andere, aber dafür kann niemand sehen, was ausgeführt wird und diese Daten für seine eigenen zwecke nutzen, darum kostet das nämlich so wenig.

Aber damit jetzt echt gute Nacht. Ich werd nur noch schnell drucken und abheften (Was glaubt ihr, wie scheiße teuer Papiert ist? Unsere Generation weiß wahrscheinlich größtenteils nur noch, dass unsere Eltern das noch regelmäßig in den Händen hatten, als sie noch nicht auf der Welt waren, lol.) in meinem Hefter, der garantiert privater ist, als privat. Felíc out!